Ein Kunde hat mir im Frühjahr seine Zahlen gezeigt und war ratlos. Rankings stabil, Sichtbarkeit laut Tool sogar leicht gestiegen, Besucher minus 30 Prozent. Sein erster Verdacht war ein Tracking-Fehler. War es nicht.
Das ist gerade der häufigste Fall, über den ich mit Unternehmern spreche. Und die Ursache ist unangenehm einfach.
Was tatsächlich passiert
Wenn Google über deinem Ergebnis eine KI-Zusammenfassung einblendet, sinkt die Klickrate auf Platz eins dramatisch. Auswertungen aus diesem Jahr kommen unabhängig voneinander auf einen Rückgang um etwa 58 bis 60 Prozent, sobald so eine Zusammenfassung erscheint.
Du stehst also weiter vorne. Nur klickt kaum noch jemand, weil die Antwort schon oben steht.
Wichtig für die Einordnung: Über alle Suchen hinweg ist der Rückgang deutlich kleiner. Eine breit angelegte Auswertung sieht beim gesamten organischen Suchtraffic nur ein Minus von etwa 2,5 Prozent. Die Suche ist also nicht tot. Aber sie trifft bestimmte Inhalte hart und andere gar nicht.
Wen es trifft und wen nicht
Der Unterschied verläuft entlang der Suchabsicht.
Hart betroffen sind Ratgeber-Inhalte. "Was ist X", "wie funktioniert Y", "Unterschied zwischen A und B". Genau die Fragen, die eine KI in drei Sätzen beantworten kann. Wer seinen Traffic überwiegend darüber holt, verliert gerade.
Kaum betroffen sind transaktionale und lokale Suchen. Wer etwas kaufen, buchen oder einen Anbieter in der Nähe finden will, klickt weiterhin. Eine Zusammenfassung ersetzt keinen Termin.
Das ist die erste konkrete Handlung: Schau dir an, aus welcher Ecke dein Traffic kommt. Wenn er zu achtzig Prozent aus Ratgeber-Artikeln stammt, hast du ein strukturelles Problem und keine Delle.
Die Hebel, die messbar wirken
Es gibt drei Dinge, die sich in den Daten dieses Jahres deutlich abzeichnen.
Erstens: In den Zusammenfassungen zitiert werden. Zitierte Quellen bekommen laut einer Auswertung rund 35 Prozent mehr Klicks als nicht zitierte Wettbewerber auf derselben Ergebnisseite. Es geht also nicht darum, die KI-Antwort zu verhindern, sondern darin vorzukommen.
Zweitens: Video. Eine Analyse von 75.000 Marken hat YouTube-Erwähnungen als stärkstes Sichtbarkeitssignal identifiziert, stärker als das Backlink-Profil und stärker als die Menge an Inhalten. YouTube taucht in KI-Zusammenfassungen mehr als dreimal so oft auf wie als normaler Link. Das hat mich selbst überrascht.
Drittens: Struktur. Strukturierte Daten im Quelltext, gepflegte FAQ-Bereiche, klare Autorenangaben mit echtem Namen und Hintergrund. Das sind die Signale, an denen sich Systeme orientieren, die entscheiden müssen, wem sie eine Aussage zuschreiben.
Was ich für unbestätigt halte
Bei einem Punkt widersprechen sich die Quellen deutlich, und ich finde es ehrlicher, das offenzulegen.
Eine Auswertung sagt, 99 Prozent der zitierten Quellen stammen aus den organischen Top 10, klassisches SEO bleibt also die Eintrittskarte. Eine andere kommt darauf, dass Anfang des Jahres nur noch etwa jede vierte zitierte Seite gleichzeitig vorne in den normalen Ergebnissen stand.
Beides kann stimmen, je nach Branche und Fragetyp. Meine Arbeitsannahme: Gutes klassisches SEO bleibt die Basis, ist aber nicht mehr allein ausschlaggebend. Wer nur auf Rankings optimiert, optimiert auf eine Kennzahl, die zunehmend von der Realität abweicht.
Was du diese Woche tun kannst
Drei Schritte, die keinen Etat brauchen.
Kennzahl wechseln. Hör auf, nur Rankings zu betrachten. Schau dir Klickrate und tatsächliche Besuche pro Thema an. Ein Ranking ohne Klicks ist eine Trophäe, kein Ergebnis.
Die eigene Marke testen. Stell die zehn wichtigsten Fragen deiner Kunden in ChatGPT, Perplexity und der Google-Suche. Wirst du erwähnt? Mit welchen Aussagen? Das ist die neue Sichtbarkeitsprüfung, und sie dauert zwanzig Minuten.
Antwortfähige Absätze schreiben. Jede wichtige Frage in einem Absatz beantworten, der auch isoliert Sinn ergibt. Ohne "wie oben beschrieben", ohne Aufbau über drei Kapitel. Genau diese Absätze werden zitiert.
Fazit
Sichtbarkeit und Traffic sind nicht mehr dasselbe. Das ist die eigentliche Nachricht, und sie ist unbequem, weil unsere ganzen Werkzeuge auf die alte Gleichsetzung gebaut sind.
Die gute Nachricht: Die meisten kleinen Unternehmen haben hier noch gar nicht angefangen, während große Teams längst umsteuern. Wer jetzt seine wichtigsten Seiten so umbaut, dass sie zitierfähig sind, hat einen Vorsprung, der in den Zahlen ankommt.
Hast du mal geprüft, was ChatGPT über dein Unternehmen erzählt?
Dein Markus vom KI Club