Letzte Woche hat mir ein Steuerberater erzählt, dass seine Mandanten ihm verbieten, Unterlagen in ChatGPT zu kopieren. Verständlich. Seine Frage danach: "Gibt es nicht was aus Europa?" Gibt es. Aber "aus Europa" heißt nicht automatisch "sicher", und es heißt auch nicht "gleich gut".
Ich habe mir vier Anbieter angeschaut und bei jedem nachgelesen, was auf den offiziellen Seiten tatsächlich steht. Nicht, was Vergleichsportale daraus machen.
Mistral: Le Chat heißt jetzt Vibe
Der französische Anbieter hat seinen Chatbot Le Chat Ende Mai 2026 in Vibe umbenannt und mit dem Coding-Agenten zusammengelegt. Das berichtet unter anderem heise. Wenn du also nach "Le Chat" suchst und nichts findest: gleiches Produkt, neuer Name.
Neu ist der Work-Modus. Laut heise kann Vibe damit mehrstufige Aufgaben übernehmen und greift dafür auf Google Workspace, Outlook oder Slack zu. Vor dem Start holt sich der Agent deine Zustimmung, die einzelnen Schritte sollen nachvollziehbar bleiben. Für ein kleines Team ist das spannend, weil es genau die Routinearbeit trifft, die sonst an einer Person hängen bleibt. Gleichzeitig bekommt ein Agent damit Zugriff auf Postfächer. Das gehört vorher geklärt.
Auf der Preisseite stehen vier Stufen: Free, Pro, Team und Enterprise. Pro kostet 14,99 und Team 24,99 pro Nutzer und Monat, beim Team-Tarif gilt ein Mindestbetrag von 50 Dollar im Monat. Heise nennt dafür 17,99 und 29,99 Euro. Ich vermute, dass der Unterschied an der Mehrwertsteuer liegt, geprüft habe ich das nicht. Die Seite zeigt die Preise laut Mistral je nach Standort mit oder ohne Steuern an. Schau also selbst nach, bevor du kalkulierst.
Beim Datenstandort ist Mistral erfreulich konkret. Laut Hilfecenter liegen deine Daten standardmäßig in der EU. Wer ausdrücklich den US-Endpunkt der API wählt, landet in den USA. Und dann steht da ein Satz, den man lesen sollte: Je nach Funktion können Daten vorübergehend außerhalb der EU verarbeitet werden, die Orte stehen in der Unterauftragsverarbeiter-Liste im Trust Center. Europäischer Anbieter, aber nicht jede Funktion läuft ausschließlich in Europa.
Auf der Preisseite steht außerdem, dass du in allen Tarifen dem Modelltraining widersprechen kannst. Das ist ein Opt-out, kein Standard-Aus. Merk dir den Unterschied.
DeepL: Übersetzen ohne Bauchschmerzen
DeepL ist das Tool, bei dem ich am wenigsten diskutiere. Laut Datenschutzerklärung werden Texte und Dokumente in der Pro-Version ausschließlich auf der Infrastruktur von DeepL im Europäischen Wirtschaftsraum verarbeitet. Sie werden nicht dauerhaft gespeichert und nicht zur Verbesserung der Dienste genutzt. Bei der kostenlosen Version gilt das ausdrücklich nicht.
Für ein Unternehmen heißt das: Verträge, Angebote, Korrespondenz mit ausländischen Kunden lassen sich übersetzen, ohne dass der Text als Trainingsmaterial endet. Das gilt aber nur für die bezahlte Variante. Wenn dein Team heimlich die Gratis-Version nutzt, hast du ein Problem, und zwar ein hausgemachtes.
Für größere Teams nennt DeepL auf seiner Sicherheitsseite eine SOC-2-Type-II-Zertifizierung sowie Single Sign-on und Rollenrechte. Das ist kein Detail, wenn die IT-Abteilung mitreden will oder ein Kunde einen Nachweis verlangt.
Auf konkrete Preise lege ich mich hier bewusst nicht fest. In meiner Recherche widersprachen sich die Vergleichsseiten bei den Tarifen deutlich. Die gültigen Preise stehen auf deepl.com.
STACKIT und IONOS: Wenn die KI auf deutschen Servern laufen soll
Die dritte Kategorie ist etwas für Leute, die selbst etwas bauen oder bauen lassen, zum Beispiel einen internen Chatbot oder eine Dokumentensuche. Dafür gibt es Hosting-Anbieter, bei denen offene Modelle wie Llama oder Mistral in europäischen Rechenzentren laufen.
STACKIT, die Cloud der Schwarz-Gruppe, bietet "AI Model Serving" in der Region Germany South an. Laut Anbieter werden Anfragen und Daten weder gespeichert noch zum Training genutzt. Abgerechnet wird nach Token, die Preise reichen laut Produktseite von 0,15 bis 1,50 Euro pro Million Eingabe-Token, je nach Stufe.
IONOS betreibt einen "AI Model Hub" mit Modellen wie Llama, Mistral und Qwen in der eigenen Cloud. Die Produktseite nennt ISO 27001 und DSGVO-Konformität und schreibt, dass kein Dritter Zugriff auf deine Daten bekommt. Zum Thema Training sagt die Seite nichts. Das würde ich vor einem Vertragsabschluss schriftlich klären.
Der Haken bei beiden: Du bekommst eine Schnittstelle, keine fertige Oberfläche. Ohne jemanden, der damit umgehen kann, hast du nichts in der Hand.
Was ich dir für den Alltag empfehle
Meine Einordnung, ausdrücklich als Meinung: Für die meisten kleinen Unternehmen reicht ein Anbieter wie Mistral oder ein sauber konfigurierter Business-Tarif eines US-Anbieters mit Auftragsverarbeitungsvertrag. Wer mit Mandantendaten, Gesundheitsdaten oder Personalakten arbeitet, sollte die Verarbeitung dagegen schriftlich nachweisen können. Dann sind Hosting-Angebote wie STACKIT interessant, auch wenn die Einrichtung mehr Aufwand bedeutet.
Drei Fragen helfen bei jedem Anbieter: Wo liegen die Daten? Wird damit trainiert, und ist das ein Opt-out oder Standard? Welche Unterauftragnehmer sind beteiligt? Wenn du darauf keine Antwort in den Unterlagen findest, ist das auch eine Antwort.
Wie du Prompts schreibst, die in jedem dieser Tools gute Ergebnisse liefern, zeigen wir im Prompt-Engineering-Kurs. Das Wissen ist unabhängig vom Anbieter.
Und du? Nutzt du schon ein europäisches Tool im Team, oder ist das bei euch noch ein Thema für später? Schreib es mir in die Community, mich interessiert, woran es hakt.
Dein Markus vom KI Club
Quellen
- Mistral's chatbot is now called Vibe and gains new capabilities, heise online, 29.05.2026
- Mistral Vibe Pricing, Mistral AI
- Where do you store my data or my Organization's data?, Mistral AI Help Center
- Privacy Policy, DeepL SE
- Data security, DeepL SE
- STACKIT AI Model Serving, STACKIT
- AI Model Hub, IONOS Cloud