DALL-E ist abgeschaltet: Bildgenerierung 2026 im Test

OpenAI hat DALL-E 2 und 3 am 12. Mai abgeschaltet. Was der Nachfolger besser kann und was das für deine Marketing-Bilder bedeutet.

Am 12. Mai war DALL-E Geschichte. OpenAI hat die Versionen 2 und 3 komplett abgeschaltet, ohne Übergangsfrist, ohne Wahlmöglichkeit. Wer im Team einen Workflow hatte, der auf DALL-E lief, hat das an dem Tag gemerkt.

Ich fand die Abschaltung erst ärgerlich und nach zwei Wochen Arbeit mit dem Nachfolger ziemlich vernünftig. Das ist selten bei solchen Zwangsumstellungen.

Was der Nachfolger anders macht

Das neue Bildmodell in ChatGPT denkt vor dem Zeichnen. Klingt nach Marketing, ist aber im Ergebnis sichtbar: Bevor das Bild entsteht, arbeitet das Modell einen Zwischenschritt ab, in dem es die Anfrage ordnet. Was steht im Vordergrund, was im Hintergrund, wie viele Objekte, welche Beziehung zueinander.

Der Effekt ist am deutlichsten bei Anfragen mit mehreren Bedingungen. Früher war "drei Personen an einem Tisch, die mittlere zeigt auf einen Bildschirm" ein Glücksspiel. Jetzt kommt in der Regel raus, was du bestellt hast.

Der zweite große Sprung ist Text im Bild. Das war jahrelang die Schwachstelle jeder Bild-KI, mit diesen halb erfundenen Buchstaben, die auf den ersten Blick wie Schrift aussehen und beim Hinsehen Unsinn sind. Kurze Beschriftungen sitzen jetzt sauber. Ganze Absätze weiterhin nicht.

Dazu kommt Auflösung bis 2K, direkt in ChatGPT Plus, ohne separates Abo.

Mein Praxistest: fünf Bilder, die ich wirklich brauche

Ich habe fünf Aufgaben durchgespielt, die bei uns tatsächlich anfallen. Kein Benchmark, sondern der Alltag.

Blog-Header, abstrakt. Läuft. Das war schon vorher der einfachste Fall und ist jetzt einfach schneller fertig, weil weniger Nachsteuern nötig ist.

Produktbild vor neuem Hintergrund. Funktioniert überraschend gut, wenn du das Originalbild mitgibst. Schatten und Perspektive stimmen meistens. Bei glänzenden Oberflächen wird es unsauber.

Social-Post mit Claim im Bild. Bei drei bis fünf Wörtern brauchbar. Bei mehr wird es zittrig. Für Kampagnen würde ich den Text weiterhin im Grafikprogramm draufsetzen, nicht generieren lassen.

Icon-Set im gleichen Stil. Hier liegt die größte Schwäche. Über mehrere Bilder hinweg denselben Stil zu halten, ist immer noch Handarbeit. Man kann mit Referenzbildern arbeiten, aber wirklich konsistent wird es nicht.

Menschen für die Team-Seite. Technisch möglich, mache ich trotzdem nicht. Erfundene Gesichter auf einer Team-Seite sind eine Vertrauensfrage, keine Designfrage.

Der Punkt, den viele übersehen

Seit August gilt in der EU eine Kennzeichnungspflicht für maschinell erzeugte Inhalte. Praktisch heißt das: Wer KI-Bilder veröffentlicht, sollte sich jetzt Gedanken darüber machen, wie er das dokumentiert.

Ich halte das für weniger dramatisch, als es klingt. Für ein abstraktes Header-Bild interessiert sich niemand. Bei allem, was echt aussehen soll, also Personen, Orte, Situationen, würde ich vorsichtiger werden. Das ist meine Einschätzung, und die rechtliche Lage ist an einigen Stellen noch nicht ausdiskutiert.

Mein pragmatischer Umgang damit: Bilder, die eine Realität behaupten, generiere ich nicht. Bilder, die offensichtlich Illustration sind, schon. Diese Grenze ist einfacher zu erklären als jede Kennzeichnungsdiskussion.

Was das für kleine Teams heißt

Der eigentliche Gewinn ist nicht die Bildqualität. Es ist der Wegfall der Wartezeit. Früher brauchte ein Blogartikel mit Bild entweder ein Stockfoto, das aussieht wie alle Stockfotos, oder einen Termin mit jemandem, der Grafik kann.

Heute ist das Bild in drei Minuten da und passt zum Text. Für ein Zwei-Personen-Marketing ist das der Unterschied zwischen zwei Artikeln pro Monat und zwei pro Woche.

Wenn du tiefer einsteigen willst, wie man Bild-Prompts aufbaut, damit nicht bei jedem dritten Versuch Matsch rauskommt: Wir haben das in unseren Materialien zum Erstellen von KI-Bildern Schritt für Schritt aufgeschrieben, inklusive der Formulierungen, die bei FLUX und den ChatGPT-Bildern unterschiedlich wirken.

Fazit

DALL-E war lange das Gesicht der KI-Bildgenerierung und ist jetzt ersatzlos weg. Der Nachfolger ist besser, vor allem bei komplexen Anweisungen und kurzen Textelementen.

Was gleich geblieben ist: Ein gutes Bild entsteht nicht durch ein besseres Modell, sondern durch eine präzisere Beschreibung. Wer "modernes Business-Bild" eingibt, bekommt auch 2026 austauschbaren Brei.

Und die unbequeme Frage zum Schluss: Wie viele deiner aktuellen Website-Bilder würdest du behalten, wenn du sie heute neu machen müsstest?

Dein Markus vom KI Club

Markus Habermehl
Markus Habermehl Mitgründer KI Club, KI & Marketing

Markus Habermehl ist Mitgründer des KI Club und hilft Unternehmern und Selbstständigen im DACH-Raum dabei, KI-Tools sinnvoll in ihr Business zu integrieren.

Bereit, KI wirklich zu meistern?

200+ Stunden Kursmaterial, regelmäßige Live-Sessions und eine aktive Community, alles was du brauchst, um KI für dein Business einzusetzen.

Lifetime-Zugang sichern Einmalig 888 € netto, für immer.
KI Club
Zurück zum Blog