Codex oder Claude Code: Wer macht deine Arbeit?

Codex und Claude Code sind keine Chatfenster mehr, sondern Arbeitsumgebungen. Worin sie sich unterscheiden und woran du erkennst, welche zu dir passt.

Wer sich mit KI-Werkzeugen beschäftigt, landet früher oder später bei zwei Namen: Codex von OpenAI und Claude Code von Anthropic. Beide stammen aus der Welt der Softwareentwicklung. Beide sind inzwischen mehr als ein Chatfenster, in das man Fragen tippt.

Das ist auch für Unternehmer ohne Programmierkenntnisse interessant, denn die Idee dahinter lässt sich auf jede Büroarbeit übertragen: Du beschreibst ein Ergebnis, die KI arbeitet in deinen Dateien und Werkzeugen und zeigt dir am Ende, was sie getan hat.

Was sich gegenüber dem Chat ändert

Im Chat kopierst du Text hinein und Ergebnisse wieder heraus. Du bist der Bote zwischen KI und Arbeitsmaterial.

In einer Arbeitsumgebung entfällt das. Die KI liest die Dateien selbst, ändert sie, führt Befehle aus und prüft ihr Ergebnis. Anthropic beschreibt Claude Code als Werkzeug, das die Codebasis liest, Dateien bearbeitet, Befehle ausführt und sich in Entwicklungswerkzeuge einklinkt. Für dich heißt das: weniger Kopieren, dafür mehr Verantwortung beim Prüfen.

Claude Code: nah am Projekt

Claude Code gibt es als Terminal-Anwendung, als Erweiterung für gängige Entwicklungsumgebungen, als Desktop-App und im Browser. Alle Varianten greifen laut Dokumentation auf dieselbe Grundlage zurück, sodass Projektanweisungen, Einstellungen und angebundene Werkzeuge überall gelten.

Das Prinzip: Du legst in einer Textdatei namens CLAUDE.md fest, wie im Projekt gearbeitet wird, und Claude liest sie zu Beginn jeder Sitzung. Dazu kommen Unteragenten, die Teilaufgaben parallel erledigen, Hintergrundsitzungen und wiederkehrende Aufgaben nach Zeitplan. Ich arbeite mit Claude Code, wenn ich eng am Material sitze und jeden Schritt sehen will. Das Terminal wirkt abschreckend, ist für die Arbeit aber eher ein Vorteil: Du siehst, was passiert, und kannst eingreifen.

Codex: die Arbeitsumgebung im ChatGPT-Umfeld

Bei Codex hat sich in diesem Jahr der Zuschnitt verändert. Nach Berichten von Neowin und dem IT-Dienstleister Addigy hat OpenAI am 9. Juli 2026 die eigenständige Codex-Desktop-App mit der ChatGPT-Desktop-App zusammengeführt. Die neue App vereint Chat, einen Arbeitsmodus für eigenständige Aufgaben und Codex als Programmier-Agent. Eine separate Codex-App gibt es demnach nicht mehr. OpenAI beschreibt die Desktop-App in der eigenen Dokumentation als Kommandozentrale für komplexe Arbeit. Du kannst mehrere Projekte parallel im Blick behalten, Dateien direkt erstellen und prüfen, Browser und Desktop-Anwendungen einbinden oder wiederkehrende Aufgaben planen. Daneben bleiben Codex CLI für das Terminal, eine Erweiterung für Entwicklungsumgebungen und Codex Cloud für parallele Aufgaben in der Cloud.

Ein Vorteil, den ich sehe: Wer ohnehin ChatGPT nutzt, hat die Arbeitsumgebung in derselben App, ohne neues Werkzeug lernen zu müssen. Der Einstieg ist niedriger, vor allem für Nicht-Entwickler.

Wo sie sich noch unterscheiden

Beide Werkzeuge laufen lokal und in der Cloud, beide lassen sich an externe Dienste anbinden, beide verteilen Arbeit auf mehrere Agenten. Funktionslisten helfen deshalb wenig. Ich vergleiche anhand der Frage, wie du arbeiten willst.

  • Du willst zusehen und steuern: Claude Code im Terminal oder in der Desktop-App zeigt jeden Schritt und fragt vor folgenreichen Aktionen nach.
  • Du willst delegieren und später prüfen: Beide bieten Cloud-Sitzungen, in denen Aufgaben im Hintergrund laufen. Dort liegt der Schwerpunkt bei Codex Cloud und Claude Code im Browser.
  • Du willst alles in einer App: Die zusammengeführte ChatGPT-App deckt Chat, Dateiarbeit und Programmieren ab.

Welches Modell dahinter gerade vorn liegt, ändert sich im Wochenrhythmus. Ich würde die Entscheidung nicht daran festmachen, sondern daran, welche Umgebung zu deinem Alltag passt.

Etwas Konkretes zum Mitnehmen: Beide Werkzeuge verlangen, dass du ihnen Arbeitsanweisungen gibst, die über eine einzelne Aufgabe hinaus gelten. Bei Claude Code ist das die Datei CLAUDE.md. Wer eine solche Datei schreibt, merkt schnell, wie viel implizites Wissen im eigenen Kopf steckt: Namenskonventionen, Freigabewege, Dinge, die nie angefasst werden. Dieser Schritt ist für mich der eigentliche Gewinn, unabhängig vom Anbieter. Er zwingt dich, Arbeitsweisen aufzuschreiben, die bisher nur im Kopf eines Einzelnen existierten, und das hilft später auch jedem neuen Kollegen. Je klarer diese Datei, desto weniger musst du am Ergebnis nacharbeiten.

Wie ich entscheiden würde

Ich würde nicht lange vergleichen, sondern mit einer echten Aufgabe testen. Nimm etwas Wiederkehrendes, das dich regelmäßig eine Stunde kostet: einen Monatsbericht, eine Datenbereinigung, eine Mail-Vorlage mit Anhängen. Gib beiden Werkzeugen dieselbe Aufgabe und vergleiche drei Dinge:

  • Wie viel musst du nacharbeiten?
  • Wie gut kannst du nachvollziehen, was die KI getan hat?
  • Wie viel Aufwand war die Einrichtung?

Dabei gilt, was für jede KI mit Zugriff auf deine Dateien gilt: Gib nur den Ordner frei, den die Aufgabe braucht, und lass dir vor dem Überschreiben oder Versenden etwas zeigen. Wie du Verbindungen sauber absicherst, steht im Beitrag über KI mit Firmendaten verbinden.

Wenn du lernen willst, wie man solche Aufgaben formuliert, lohnt sich ein Blick in unseren Prompt-Engineering-Kurs. Die Anweisung entscheidet bei beiden Werkzeugen mehr als der Anbieter.

Fazit

Codex und Claude Code zeigen dieselbe Richtung: KI wird von der Gesprächspartnerin zur Mitarbeiterin im Dateisystem. Die Wahl zwischen beiden ist weniger eine Glaubensfrage als eine Frage der Arbeitsweise.

Teste mit einer Aufgabe, miss den Nacharbeitsaufwand und bleib bei dem Werkzeug, bei dem du am wenigsten korrigieren musst. Nutzen beide ähnlich gut, nimm das, was du ohnehin schon bezahlst.

Josef vom KI Club

Quellen

Josef Held
Josef Held Mitgründer KI Club, Tech & KI-Entwicklung

Josef Held ist Mitgründer und Tech-Lead des KI Club. Er entwickelt KI-Anwendungen und baut die technische Infrastruktur hinter ki-club.org.

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