Zwei Minuten. So lange darf ein Bild laut OpenAI-Doku bei komplexen Prompts im Extremfall brauchen. Wer schon mal zehnmal hintereinander "mach den Hintergrund etwas ruhiger" getippt hat, weiß, wie sich das anfühlt. Genau da setzt das Update an, das OpenAI am 8. September veröffentlicht hat: ChatGPT Images 2.5.
Ich habe die Entwicklerdoku, die Systemkarte, den Ankündigungsbeitrag im OpenAI-Forum und mehrere Berichte dazu gelesen. Hier ist, was wirklich drinsteht und was für dich im Marketing-Alltag zählt.
Was neu ist
Laut OpenAI erzeugt Images 2.5 natürlicheres Licht und feinere Texturen, bewahrt Motive aus Referenzfotos besser und folgt Bearbeitungsanweisungen über mehrere Runden verlässlicher. Das ist die Aussage von OpenAI selbst, keine unabhängige Messung.
Dazu kommen drei Funktionen, die ich für die praktisch wichtigsten halte:
Sketch: Du zeichnest direkt in ChatGPT eine grobe Skizze und gibst sie zusammen mit deinem Prompt mit. Das löst ein altes Problem. Text beschreibt Positionen schlecht, eine Skizze zeigt sie.
Vorlagen: Fertige Formate, etwa für Poster oder Merchandise, und die Möglichkeit, Prompts zu teilen. Für Teams ist das interessant, weil nicht jeder seine eigene Prompt-Sammlung pflegt.
Kommentare im Bild: Du markierst eine Stelle und sagst, was dort passieren soll. Der Rest soll dabei möglichst unangetastet bleiben.
Laut DataCamp rufst du Sketch im Chat über "@Sketch" auf. Die Vorlagen sind in der Praxis vermutlich der unterschätzte Teil. Wer ein Poster-Format einmal sauber eingestellt hat, kann es für die nächste Aktion wiederverwenden und muss nicht jedes Mal neu erklären, wie das Bild aussehen soll.
Kleine Randnotiz zu den API-Modellen: Beide Varianten kennen neue Qualitätsstufen namens xhigh und max und akzeptieren laut Doku Formate zwischen 1:3 und 3:1. Wer Bilder automatisiert erzeugt, etwa für Produktseiten oder Social-Media-Serien, hat damit mehr Spielraum. Wie solche Abläufe aufgebaut werden, zeigen wir auf der Seite zur KI-Automatisierung.
Die 50 Prozent, die überall stehen
In fast jedem Bericht liest du "bis zu 50 Prozent schneller". Wichtig ist das "bis zu". DataCamp und 9to5Mac geben an, OpenAI nenne eine um bis zu 50 Prozent geringere Latenz gegenüber Images 2.0. DataCamp ergänzt, dass die Vorteile vor allem bei längeren Bearbeitungssitzungen sichtbar werden und weniger beim einzelnen Bild.
Ich konnte die Zahl nicht auf der OpenAI-Seite selbst abrufen, weil sie mir den Zugriff verweigert hat. Deshalb sage ich es so: Zwei unabhängige Medien schreiben sie OpenAI zu, ich habe sie nicht im Original gelesen. Verlass dich nicht darauf, dass deine Bilder überall halb so lange brauchen.
Was weiter schwierig bleibt
In der Entwicklerdoku steht ehrlich, wo die Grenzen liegen. Das Modell kann laut OpenAI bei präziser Textplatzierung und Lesbarkeit weiterhin Probleme machen. Auch gleichbleibende Figuren über mehrere Bilder hinweg und die exakte Platzierung von Elementen in strukturierten Layouts bleiben schwierig.
Für dich heißt das: Ein Plakat mit Preisliste und Kleingedrucktem würde ich weiterhin nicht blind aus dem Generator übernehmen. Headline-Grafiken, Motive, Social-Media-Visuals und Stimmungsbilder sind dagegen genau das Terrain, auf dem solche Tools ihren Zeitgewinn bringen. Alles mit rechtlich relevantem Text setzt du besser selbst in einem Layoutprogramm.
Verfügbarkeit, Modelle und Herkunftskennzeichnung
Die Funktion wird laut OpenAI für ChatGPT, ChatGPT Work und Codex ausgerollt, auf Desktop, Mobil und im Web. Nach den Berichten von 9to5Mac und DataCamp gilt das für alle Tarife. Entwickler bekommen zwei Modelle: Flare als schnellen Standard und Sunburst für Aufgaben, bei denen es auf Präzision beim Bearbeiten ankommt, dafür mit längerer Laufzeit. Die Token-Preise sind laut OpenAI-Community-Beitrag dieselben wie beim Vorgänger.
Ein Punkt, der gern untergeht: Laut Systemkarte hält OpenAI an der C2PA-Kennzeichnung fest und setzt zusätzlich auf SynthID von Google DeepMind als unsichtbares Wasserzeichen. Wenn du Bilder in Kundenprojekten einsetzt, solltest du wissen, dass ihre KI-Herkunft technisch nachweisbar sein kann.
Was ich damit machen würde
Meine Einschätzung: Die größte Neuerung ist für mich nicht das Tempo, sondern die Kombination aus Sketch und Kommentar-Bearbeitung. Wer sich bisher bei Bildern durch Prompts gekämpft hat, bekommt endlich einen Weg, einem Modell zu zeigen statt zu beschreiben. Das spart Runden, und Runden sind der eigentliche Zeitfresser.
Mein Vorschlag für die nächste Woche: Nimm ein Motiv, das du ohnehin brauchst, etwa ein Header-Bild für einen Newsletter. Zeichne grob, was du willst, und lass ChatGPT daraus ein Bild machen. Dann vergleichst du, wie viele Korrekturen du früher gebraucht hättest.
Und noch etwas aus der Praxis: Prüf jedes Bild, bevor es online geht. Hände, Schrift auf Schildern, Logos im Hintergrund und Details, die zur Marke passen müssen, fallen oft erst auf den zweiten Blick auf. Plan dafür fünf Minuten Kontrolle ein, am besten mit einer zweiten Person, die das Bild zum ersten Mal sieht. Ein Bild, das in zwei Minuten entstanden ist, darf trotzdem nicht in zwei Sekunden veröffentlicht werden.
Wie du Bilder mit KI sinnvoll planst und welche Tools wofür taugen, steht auf unserer Seite zum Thema Bilder mit KI erstellen.
Und bei dir? Setzt du KI-Bilder schon im Marketing ein, oder scheitert es bisher an Ergebnissen, die nie ganz passen? Schreib mir, was dich bremst.
Dein Markus vom KI Club
Quellen
- Introducing ChatGPT Images 2.5, OpenAI, 08.09.2026
- Introducing GPT Images 2.5 in the API and ChatGPT, OpenAI Developer Community, 08.09.2026
- Image generation, OpenAI API Docs
- ChatGPT Images 2.5 System Card, OpenAI Deployment Safety Hub
- OpenAI releases ChatGPT Images 2.5 with sharper details and more precise editing, 9to5Mac, 08.09.2026
- ChatGPT Images 2.5: Features, Sketch, and API Models, DataCamp